IYAMBAE Tuner

Die Verwechslung, die auf jedem Griffbrett sitzt

432 Hz auf der Gitarre

In den Foren stehen beide Sätze nebeneinander, als meinten sie dasselbe: „stimm einen halben Ton runter“ und „stimm auf 432“. Sie meinen nicht dasselbe. Zwischen den beiden liegen gut zwei Drittel eines Halbtons — mehr als genug, um jedes Zusammenspiel zu zerlegen.

432 statt 440

−31,8 ct

Ein Achtel eines Halbtons, ungefähr. Man hört es im Vergleich, aber es verrutscht kein Griff und keine Saite hängt durch.

Einen halben Ton herunter (E♭)

−100 ct

Ein ganzer Halbton. Aus E wird E♭, aus jedem Akkordnamen ein anderer. Die Saiten werden merklich weicher.

Beides klingt tiefer. Das eine ist gut dreimal so tief wie das andere.

Die sechs Saiten in Zahlen

Saite bei 440 Hz bei 432 Hz E♭, bei 440 Hz
E (tief)82,41 Hz80,91 Hz77,78 Hz
A110,00 Hz108,00 Hz103,83 Hz
D146,83 Hz144,16 Hz138,59 Hz
G195,99 Hz192,43 Hz185,00 Hz
H246,94 Hz242,45 Hz233,08 Hz
E (hoch)329,63 Hz323,63 Hz311,13 Hz

Die mittlere Spalte ist die erste, mal 432 geteilt durch 440 — also überall derselbe Faktor, 0,9818. Die rechte ist die erste, mal die zwölfte Wurzel aus einem Halbton. Zwei verschiedene Rechnungen, zwei verschiedene Ergebnisse, und deshalb passen die beiden Spalten auch nicht zueinander.

Wie du wirklich auf 432 stimmst

1

Sieh im Stimmgerät nach dem Bezugston. Fast jedes Clip-Gerät hat ihn, meist als Calibration, A4 oder Pitch beschriftet. Er steht ab Werk auf 440.

2

Stell ihn auf 432. Meist mit derselben Taste, mit der du sonst die Betriebsart wechselst, gedrückt gehalten. Acht Schritte nach unten.

3

Stimm ganz normal. E, A, D, G, H, E — das Gerät rechnet für dich. Die Zahlen oben brauchst du nur, wenn dein Stimmgerät keinen Bezugston kennt; dann trägst du sie in eine Stimm-App ein.

4

Um den Hals musst du dir keine Sorgen machen. 1,8 Prozent weniger Spannung sind ein Bruchteil dessen, was ein Saitensatz eine Stärke tiefer ausmacht. Bei E♭ oder tiefer sieht das anders aus.

Und was ist mit Hendrix?

Das Argument taucht in jedem zweiten Faden auf: Hendrix habe auf 432 gespielt, deshalb klinge es so. Die Aufnahmen liegen tatsächlich tiefer als der Kammerton — aber ungefähr einen halben Ton, also rund 100 Cent. Das ist die linke Spalte oben, nicht die mittlere.

Warum er das tat, ist kein Geheimnis: Ein halber Ton weniger Spannung macht das Ziehen leichter, und der Stimme kommt es entgegen. Es war unter Gitarristen dieser Jahre verbreitet und ist es geblieben.

Dass er dabei an 432 gedacht hätte, dafür ist uns keine Quelle bekannt — und die Zahlen sprechen dagegen. Zwischen 432 und einem halben Ton tiefer liegen 68 Cent. Das ist mehr als zwei Drittel eines Halbtons; wer beides nebeneinander hört, verwechselt es nicht.

Das eigentliche Problem kommt danach

Deine Gitarre steht jetzt auf 432. Die Aufnahme, zu der du spielen willst, steht auf 440 — und damit klingt zusammen, was nicht zusammengehört. Entweder du stimmst zurück, oder die Aufnahme kommt zu dir.

Genau dafür gibt es den IYAMBAE Tuner: Er verschiebt den Ton auf dem Weg zum Lautsprecher, ohne das Tempo anzufassen. Was aus dem Rechner kommt, steht dann da, wo dein Instrument steht.

Bleibt eine Frage, die sich lohnt: Steht die Aufnahme überhaupt auf 440? Viele stehen es nicht — Bandmaschinen liefen ungenau, und wer im Studio ein Klavier vorfand, nahm dessen Stimmung. Zieh die Datei ins Messwerkzeug, dann weißt du es, statt es anzunehmen.

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